Sonntag, 26. Februar 2017

Luftanhalten

Ich bin gerannt.
Nach einer genauen Wegbeschreibung.Von Etappe zu Etappe.
Immer das nächste Zwischenziel vor Augen. Den Plan in der Tasche. Wissend, was als nächstes zu tun ist, was als nächstes von mir erwartet wird.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.
Atmen. Immer weiter atmen.



Ich bin gerannt.
Ohne den Weg wahrzunehmen. Ohne mich selbst zu orientieren. Ohne mein Tun zu hinterfragen.
Immer das nächste Zwischenziel vor Augen. Den Plan in der Tasche. Wissend, was als nächstes zu tun ist, was als nächstes von mir erwartet wird.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.
Atmen. Immer weiter atmen.


Ich bin gerannt.
Habe alle Vorgaben eingehalten. Habe alle Erwartungen erfüllt. Habe das Ziel erreicht -
und merke: Ich bin trotzdem nicht angekommen.
Spüre Erleichterung, aber keine Zufriedenheit.
Spüre Erschöpfung, aber keine innere Ruhe.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.
Atmen. Immer weiter atmen.


Ich bin gerannt.
Habe vieles geschafft, aber auch vieles verloren.
Träume und Wünsche sind aus meinem Rucksack gefallen, weil ihnen nachzugehen Zeit gekostet hätte.
Zeit, die im Plan nicht vorgesehen war.
Weil ihnen nachgehen bedeutet hätte, an der ein oder anderen Weggabelung anders abzubiegen, von der Strecke abzukommen, auch mal zu stolpern und wieder aufstehen zu müssen.
Zeit, die im Plan nicht vorgesehen war.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.


Ich bin müde vom Funktionieren.
Hungrig nach mir selbst.
Nach meinen Träumen und Wünschen.
Nach Planlosigkeit. Nach Verlaufen. Nach Zufriedenheit und innerer Ruhe.
Nach Ankommen.


Deshalb werde ich jetzt mal die Luft anhalten. Auf mich vertrauen.
Darauf, dass ich selber weiß, wann ich wieder atmen muss.
Auch, wenn das vielleicht im ersten Moment Angst macht.
Und ich spüre Unsicherheit. Unsicherheit, aber Freiheit.