Sonntag, 6. November 2016

Und wenn ihr mich fragt, wo ich bin: Mich suchen. Mich finden. Glaskugeln formen.


Ich glaube angekommen zu sein, meinen Weg gefunden zu haben, zu wissen, was ich will, zu sein, wer ich bin.
Aber diese Seifenblase aus Zielstrebigkeit, Zukunftsvertrauen und Selbstbewusstsein, sie ist eben eine Seifenblase.
Leicht. Unglaublich leicht. Vielleicht zu leicht für die Stürme des Lebens.
Zerbrechlich. Unglaublich zerbrechlich. Vielleicht zu zerbrechlich für die Spitzen des Lebens.
Seifenblasen wirken stabil. Schillern in den schönsten Farben. Aber das eben nur für den Moment. Nur so lange sie mit nichts und niemandem in Berührung kommen.
Nur so lange nichts und niemand ihren Kurs verändern will.
Nichts.
Niemand.
Aber so spielt das Leben nicht. Kann es auch nicht. Soll es auch nicht.
Wenn sie auf Widerstand treffen, auf Gegenwind, auf Hindernisse, dann zerplatzen sie.
Nicht mit einem lauten Knall, sondern ganz still und leise. So, dass man es fast nicht merkt.
Doch dabei fällt alles, was sie umschlossen halten, ganz still und leise aus ihnen heraus.
Unaufhaltsam verteilt es sich mitten im Leben.
In den Stürmen, auf den Hindernissen, auf den Spitzen.
Und was bleibt ist Leere. Ernüchterung. Verzweiflung. Unsicherheit. Angst.
Und ich bin müde. Müde erneut zu suchen.
In den Stürmen, auf den Hindernissen, auf den Spitzen.
Aber wenn ihr mich fragt, wo ich bin, dann antworte ich: Mich suchen.
Trotzdem.
Denn das bedeutet leben.
Und ich werde mich finden. Wiederfinden. Neu finden.
Und wenn ich mich gefunden habe, werde ich keine Seifenblasen mehr pusten, sondern Glaskugeln formen.
Ein Stück stabiler. Ein Stück lebenssicherer. Von außen und von innen.
Und irgendwann, da werden mich die Stürme, Hindernisse und Spitzen nur noch zum Suchen bringen, wenn ich es möchte. Wenn mir danach ist, mich neu zu finden. Nur dann.

   
    Und wenn ihr mich fragt, wo ich bin: Mich suchen. Mich finden. Glaskugeln formen.