Freitag, 28. April 2017

Die "goldene Mitte"

„Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang.“
Ich stelle mir die Frage, ob diese Aussage trösten soll - und für den Fall,
dass sie es beabsichtigt, wen.

Anfangen - seinen inneren Kompass neu ausrichten, ohne dabei vollständig die Orientierung zu verlieren - erscheint mir eine mindestens genau so große Herausforderung darzustellen, wie etwas zu beenden, ohne dabei schlaglichtartig alle „von Glück triefenden Momente“, wie im Abspann einer „Rosamunde- Pilcher- Schnulze" – tränenförmig in Taschentücher zu vergießen.

Ängste, Wut, Enttäuschungen, die wir definitiv auch verspürt haben, scheint das „Verklärungsmonster“ verschlungen zu haben.
Zum Glück scheinen Erinnerungen schwer verdaulich, sodass es sie bei Zeiten wieder ausspuckt.

Was ich sagen will:
Ich verstehe, warum Floskeln mit dem doch wenig anmutendem Adjektiv „inhaltslos“ geschmückt werden.
Trösten aber kann der Gedanke, dass man „Unbekanntes“ schon oft in „Vertrautes“ verzaubert hat, ohne sich seiner Künste überhaupt bewusst zu sein.

Und ganz schnell ist man wieder irgendwo zwischen Anfang und Ende.
Dort, wo wir uns am Wohlsten fühlen - in der „goldenen Mitte“- und in
der scheint doch tatsächlich Wahrheit zu stecken.

Sonntag, 9. April 2017

Buntstiftmalerei

 
 
 
 
 
Lasst uns jeden Morgen „Mut und Lebensfreude-Müsli“ frühstücken und alle Zweifel in Milch ertränken.
Lasst uns zu weniger „Vielleicht“ flüstern und stattdessen „Ja“ durch alle Straßen rufen.
Lasst uns weniger Pläne bis ins kleinste Detail ausfeilen und dann selbst die besten unter To-do-Listen vergraben und stattdessen mehr einfach tun.
 
 
 
 
 
 
Lasst Spontanität und Bauchgefühl unser Kompass in Entscheidungssituationen sein.
Lasst uns leben, anstatt immer nur vom Leben zu reden.


 

 
Lasst uns weniger kopfschüttelnd auf der Stelle stehen und mit dem Finger auf andere zeigen und stattdessen selber mehr bewegen.
Lasst uns andere überraschen und am meisten über uns selber staunen.
Lasst uns lieber bereuen, als nicht bereuen.



 
  
 
 
 

Lasst uns Mut, Freude, Momente und Liebe verschenken. Aber nicht unsere Zeit.
Lasst uns das „Jetzt“ unwiderruflich in den buntesten Farben ausmalen und nicht das „Dann“ mit Bleistift skizzieren.



Lasst uns uns wieder mehr von der Realität des Lebens begeistern lassen und nicht nur von der Fiktion des Bildschirms.
Lasst uns wieder mehr ehrlich lachen, weinen, lieben, reden und fühlen, anstatt elektronische Daten ins All zu schicken.
Lasst uns lieber scheitern, als es nie zu versuchen.



 

Lasst uns mit Erinnerungen einschlafen und nicht mit Träumen.
Lasst uns nicht alt werden, bevor wir jung waren.




Dienstag, 21. März 2017

Tankstellenmilcheis

Ein Auto vollgetankt mit Sommer,
schwer vor Glück.
Du neben mir
und zwischen uns die Standtasche, gefüllt von Liebe und Hass.
Ihr vor mir
und mein Vertrauen in euch unerschütterlich.
Mehr Liebe als Hass.
Immer Richtung Meer.

 
Mein Kopf leer - gefüllt vom Moment.
Mein Herz leicht - schwer vom Vertrauen in das Gute.
Ich - im Besitz über die Formel des Glücks,
ohne je danach gesucht zu haben,
ohne mir dessen bewusst zu sein.


Wir schmecken nach Tankstellenmilcheis.
Wir schlagen die Langeweile mit Städten und Flüssen tot
und ich bin ehrlich - manchmal auch mit Ärgern.
Wir hören unsere Lieblingslieder und geben ihnen eine neue Tonart
- die vielleicht nur uns gefällt.
Ihr - meine Manifestation des Glücks in diesem Moment.
 Hinter der Fensterscheibe ziehen Gesichter an mir vorbei
- besorgte, nachdenkliche, angespannte.
Aber ich sitze dahinter
- im Auto, vollgetankt mit Sommer, schwer vor Glück.
Mein Kopf leer - gefüllt vom Moment.
Mein Herz leicht - schwer vom Vertrauen in das Gute.
Ihr - meine Manifestation des Glücks in diesem Moment.
 

 Ihr habt mich Glück fühlen, spüren, schmecken, riechen lassen.
Ihr habt diesen Begriff mit Substanz gefüllt.
Ihr habt mir die Formel des Glücks mit auf den Weg gegeben.
Der Kopf leer - gefüllt vom Moment.
Das Herz leicht - schwer vom Vertrauen in das Gute.
Ihr habt mich gelehrt, dass es Glück nicht zu suchen, sondern zu erkennen gilt.
Glück hat viele Formen
- das Auto vollgetankt mit Sommer ist nur eine.

Sonntag, 26. Februar 2017

Luftanhalten

Ich bin gerannt.
Nach einer genauen Wegbeschreibung.Von Etappe zu Etappe.
Immer das nächste Zwischenziel vor Augen. Den Plan in der Tasche. Wissend, was als nächstes zu tun ist, was als nächstes von mir erwartet wird.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.
Atmen. Immer weiter atmen.



Ich bin gerannt.
Ohne den Weg wahrzunehmen. Ohne mich selbst zu orientieren. Ohne mein Tun zu hinterfragen.
Immer das nächste Zwischenziel vor Augen. Den Plan in der Tasche. Wissend, was als nächstes zu tun ist, was als nächstes von mir erwartet wird.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.
Atmen. Immer weiter atmen.


Ich bin gerannt.
Habe alle Vorgaben eingehalten. Habe alle Erwartungen erfüllt. Habe das Ziel erreicht -
und merke: Ich bin trotzdem nicht angekommen.
Spüre Erleichterung, aber keine Zufriedenheit.
Spüre Erschöpfung, aber keine innere Ruhe.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.
Atmen. Immer weiter atmen.


Ich bin gerannt.
Habe vieles geschafft, aber auch vieles verloren.
Träume und Wünsche sind aus meinem Rucksack gefallen, weil ihnen nachzugehen Zeit gekostet hätte.
Zeit, die im Plan nicht vorgesehen war.
Weil ihnen nachgehen bedeutet hätte, an der ein oder anderen Weggabelung anders abzubiegen, von der Strecke abzukommen, auch mal zu stolpern und wieder aufstehen zu müssen.
Zeit, die im Plan nicht vorgesehen war.
Funktionieren, das kann ich - blind vertrauen auch.
Und ich spüre Sicherheit. Sicherheit, aber Enge.


Ich bin müde vom Funktionieren.
Hungrig nach mir selbst.
Nach meinen Träumen und Wünschen.
Nach Planlosigkeit. Nach Verlaufen. Nach Zufriedenheit und innerer Ruhe.
Nach Ankommen.


Deshalb werde ich jetzt mal die Luft anhalten. Auf mich vertrauen.
Darauf, dass ich selber weiß, wann ich wieder atmen muss.
Auch, wenn das vielleicht im ersten Moment Angst macht.
Und ich spüre Unsicherheit. Unsicherheit, aber Freiheit.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Du


Du.
Du bist ein Hellseher. Der weiß, dass sich im tiefsten Staub und Dreck ein kleiner Diamant versteckt hat.
Du.
Du bist ein Kämpfer. Der ihn abträgt, diesen Schmutz. Schicht für Schicht. Weil du an das glaubst, was nur du zu sehen vermagst.
Du.
Du bist ein Mutmacher. Weil du weißt, dass er Strahlen kann, dieser Diamant. Weil du an ihn glaubst. An seine Schönheit. An sein Potential.


Du hast mich noch gesehen, als bei mir schon alles dunkel war.
Du hast meinen Weg schon wahrgenommen, als ich noch im Irrgarten stand.
Du hast meine Kräfte schon gespürt, ehe ich wusste, dass ich überhaupt stark sein kann.
Du hast schon an mich geglaubt, bevor ich es gewagt habe das Hoffen zu beginnen.


Du.
Du bist ein Stehaufmännchen. Das aufs Weiterkämpfen besteht. Weil du weißt, dass manchmal erst neue Schmutzschichten dazukommen müssen, ehe die Sicht auf das Schöne endgültig frei wird.
Du.
Du bist ein Träumer. Und das ist wichtig, denn Träume sind es, die dich zum Weitermachen anhalten. Die dich nicht aufgeben lassen.
Du.
Du bist ein Zauberer. Der ihn wieder zum Strahlen bringt, diesen Diamanten. Stück für Stück.


Du hast mich noch gesehen, als bei mir schon alles dunkel war.
Du hast meinen Weg schon wahrgenommen, als ich noch im Irrgarten stand.
Du hast meine Kräfte schon gespürt, ehe ich wusste, dass ich überhaupt stark sein kann.
Du hast schon an mich geglaubt, bevor ich es gewagt habe das Hoffen zu beginnen.

Und Ich.
Ich bin der Diamant. Zum mindestens in dieser Geschichte.
Mein Strahlen ist noch nicht für alle sichtbar. Da ist noch Schmutz auf mir, der nicht zu mir gehört. Aber ich habe auch schon einige Schichten abgetragen. Mein Strahlen hat an Stärke gewonnen.
Durch mich. Aber eben auch durch dich.
Durch deinen Blick auf mich, durch deinen Glauben an mich.
Durch deine Kraft, durch deinen unermüdlichen Kampfeswillen, durch deine Wertschätzung, durch deine Liebe.
Dadurch, dass du stets den Diamanten und nie nur den Schmutz siehst.


Und Ich. Ich weiß mittlerweile, dass ich Strahlen kann. Das ich Strahlen werde.
An deiner Seite.


Du hast mich noch gesehen, als bei mir schon alles dunkel war.
Du hast meinen Weg schon wahrgenommen, als ich noch im Irrgarten stand.
Du hast meine Kräfte schon gespürt, ehe ich wusste, dass ich überhaupt stark sein kann.
Du hast schon an mich geglaubt, bevor ich es gewagt habe das Hoffen zu beginnen.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Ey, spiel` mal wieder dein Lieblingslied


Draußen ist es grau und schrecklich kalt.
Nasskalt, neblig und düster.
Ich mag den Winter. Aber nur den Bilderbuchwinter.
Der, der Eisblumen an die Fensterscheiben zaubert.
Der, der durch seine Schneeschicht alles ganz friedlich aussehen lässt.
Der, der Lust auf Schneeballschlachten und Schlittenfahren macht.
Der, der die Vorfreude auf Weihnachten in jedes Haus trägt.
Eiskalt, klar und sonnig.
Und er spielt Metal, dabei mag ich doch nur Pop.


In meinem Kopf ist es unglaublich voll.
Umzugskartons stapeln sich bis unter die Decke.
Es wird enger und enger.
Ich brauche Luft.
Ich schleppe und räume und arbeite und schwitze.
Aber es werden nicht weniger. Es werden immer mehr.
Und wenn ich nicht aufpasse, bricht dieses instabile Gebilde bald mit einem Lauten Krach über mir zusammen.
Das denke ich zum mindestens.
Und er spielt Metal, dabei mag ich doch nur Pop.


In meinem Herzen ist es unglaublich leer.
Ein Raum voller Kerzen und trotzdem nicht gefüllt, denn keine von ihnen mit lodernder Flamme.
Weil ich für nichts brenne.
Wo ist mein Feuer? Wo bin ich?
Mein Strahlen. Der Glanz in meinen Augen. Die Wärme des Glücklichseins. Das Brennen vor Begeisterung. Der Rauch der Zufriedenheit. Der Zufriedenheit mit mir.
Ich bin doch so viel mehr. Ich kann doch so viel mehr. Das Leben ist doch so viel mehr.
Eigentlich.
Und es spielt Metal, dabei mag ich doch nur Pop.


Er spielt. Es spielt.
Nein!
Ich spiele.
Ich entscheide was gespielt wird. Mein Leben. Meine Playlist.
Ich entscheide, was ich aus diesem Winter mache. Ich entscheide in welchem Tempo ich arbeite und wie viel. Ich entscheide, wie ich mein Leben gestalte.
Ich entscheide, dass ich glücklich bin.
Denn: Ich bin doch so viel mehr. Ich kann doch so viel mehr. Das Leben ist doch so viel mehr.


Und deshalb spiele mein Lieblingslied - in Dauerschleife. 
Weil ich entscheide. Weil ich entscheiden kann.
Mein Leben. Meine Playlist.











Sonntag, 6. November 2016

Und wenn ihr mich fragt, wo ich bin: Mich suchen. Mich finden. Glaskugeln formen.


Ich glaube angekommen zu sein, meinen Weg gefunden zu haben, zu wissen, was ich will, zu sein, wer ich bin.
Aber diese Seifenblase aus Zielstrebigkeit, Zukunftsvertrauen und Selbstbewusstsein, sie ist eben eine Seifenblase.
Leicht. Unglaublich leicht. Vielleicht zu leicht für die Stürme des Lebens.
Zerbrechlich. Unglaublich zerbrechlich. Vielleicht zu zerbrechlich für die Spitzen des Lebens.
Seifenblasen wirken stabil. Schillern in den schönsten Farben. Aber das eben nur für den Moment. Nur so lange sie mit nichts und niemandem in Berührung kommen.
Nur so lange nichts und niemand ihren Kurs verändern will.
Nichts.
Niemand.
Aber so spielt das Leben nicht. Kann es auch nicht. Soll es auch nicht.
Wenn sie auf Widerstand treffen, auf Gegenwind, auf Hindernisse, dann zerplatzen sie.
Nicht mit einem lauten Knall, sondern ganz still und leise. So, dass man es fast nicht merkt.
Doch dabei fällt alles, was sie umschlossen halten, ganz still und leise aus ihnen heraus.
Unaufhaltsam verteilt es sich mitten im Leben.
In den Stürmen, auf den Hindernissen, auf den Spitzen.
Und was bleibt ist Leere. Ernüchterung. Verzweiflung. Unsicherheit. Angst.
Und ich bin müde. Müde erneut zu suchen.
In den Stürmen, auf den Hindernissen, auf den Spitzen.
Aber wenn ihr mich fragt, wo ich bin, dann antworte ich: Mich suchen.
Trotzdem.
Denn das bedeutet leben.
Und ich werde mich finden. Wiederfinden. Neu finden.
Und wenn ich mich gefunden habe, werde ich keine Seifenblasen mehr pusten, sondern Glaskugeln formen.
Ein Stück stabiler. Ein Stück lebenssicherer. Von außen und von innen.
Und irgendwann, da werden mich die Stürme, Hindernisse und Spitzen nur noch zum Suchen bringen, wenn ich es möchte. Wenn mir danach ist, mich neu zu finden. Nur dann.

   
    Und wenn ihr mich fragt, wo ich bin: Mich suchen. Mich finden. Glaskugeln formen.